Wissen was wirkt – das eigene Unterrichten immer wieder bewusst reflektieren

Wissen wir, wie Schülerinnen und Schüler in Unterrichtsstunden wirklich lernen? Erkennen wir, wann ein Kompetenzzuwachs bei Lernenden stattgefunden hat? Lehrpersonen und Bildungsverantwortliche aus unterschiedlichen Fachrichtungen beschäftigen sich immer wieder von Neuem mit diesen Fragen.
Von Monika Pfister

Als Leiterin des Netzwerks Luzerner Schulen habe ich einen vertieften Einblick in die Arbeit von Lehrpersonen. In fachspezifischen Teilnetzwerken thematisieren und tauschen wir folgende Themen aus: Unterrichtsgestaltung, Unterrichtsmaterialien, Beziehung zu Lernenden aufbauen und pflegen, Umgang mit Heterogenität, Reflexionskultur aufbauen und pflegen, arbeiten mit Portfolios, Elternarbeit usw. Eine zentrale Frage ist in allen Diskussionen: Was macht den Unterricht wirksam?

In den letzten zwei Jahren habe ich oft mit der Hattie Studie gearbeitet. Im Buch Lernen sichtbar machen für Lehrpersonen (2014) ist aufgeführt, was zu einem erfolgreichen Unterricht beitragen kann. Ich schreibe bewusst «beitragen kann», weil die Erfahrung zeigt, dass es immer ein Zusammenspiel von Verschiedenem ist.

Das Bewusstmachen – Erfahrungen aus dem Netzwerk Luzerner Schulen
Wenn ich mit Thesen aus dem Buch arbeite und die Lehrpersonen anhand der Thesen ihre Arbeit in einem spezifischen Bereich reflektieren lasse, haben diese oft ein «AHA-Erlebnis». Sie erkennen, dass sie vieles schon wissen und auch machen. In der Diskussion stellt sich oft heraus, dass zwar vieles unternommen, aber nicht bewusst in die Unterrichtsvorbereitung, Umsetzung und Reflexion eingeplant wird und somit auch nicht bewusst daran gearbeitet werden kann. Grundsätzlich können Lehrpersonen nur dann gezielt an etwas arbeiten, wenn es ihnen bewusst ist und in ihre Ziele einfliesst.

Lernen sichtbar machen in der Schule und im Unterricht
In den fachspezifischen Gruppierungen innerhalb des Netzwerks ist viel Raum für das Bewusstwerden, die Reflexion, für das «voneinander profitieren dürfen» und «gemeinsam etwas für den Unterrichtsalltag entwickeln können». Die Erfahrungen zeigen, dass die Frage der Nachhaltigkeit wichtig und zugleich schwierig zu beantworten ist. Trotzdem zeigen sie auch, dass Lehrpersonen, die bereit sind, über eigenes Verhalten, über Unterrichtsgestaltung und Beziehungspflege nachzudenken, eine grössere Chance haben, bei ihren Schülerinnen und Schülern Positives zu bewirken. Das Bewusstsein bei Lehrpersonen, dass Lernende das Recht haben zu wissen, was sie warum lernen sollen, hat positive Auswirkungen auf den Lernerfolg. Das beinhaltet, dass Lernende ernst genommen werden, dass man sich für sie interessiert, und dass man Erfolge mit ihnen feiern kann. Dies braucht unter anderem eine positive Fehlerkultur, Wertschätzung, eine institutionalisierte Feedbackkultur und anderes mehr. Und genau Auseinandersetzungen darüber sind in Kreisen von Lehrpersonen und Schulleitungen zu führen. Diskussionen sind dann erfolgreich, wenn das eigene Verhalten reflektiert wird, mögliche Strategien entwickelt werden und alle Beteiligten sich gezielt etwas vornehmen. Und das machen wir im Netzwerk Luzerner Schulen.

Warum gelingt es uns dennoch nicht immer, Lernen sichtbar zu machen?
Lehrpersonen wissen meistens ganz genau, was pädagogisch und didaktisch sinnvoll ist. Warum sie nicht so handeln, wie sie es grundsätzlich gut finden, begründen sie meistens mit Zeitknappheit und mit den ihnen zur Verfügung stehenden (zu geringen) Ressourcen. Ich bin überzeugt, dass dies Gründe sind. Mehr noch vermute ich aber, dass unser System viele wichtige Diskussionen und Lernmethoden gar nicht zulässt. Stundenpläne sind vollgepackt, es wird immer noch sehr fachspezifisch unterrichtet. Lernfortschritte werden oft nur kurzfristig im fachlichen Bereich getestet. Zu viele einzelne Lehrpersonen sind verantwortlich für den Lernerfolg eines einzelnen Schülers und anderes mehr. Weiterbildungen sind zu oft so angelegt, dass vor allem konsumiert wird und zu wenig reflektiert und gezielt an weiteren Unterrichtsentwicklungsschritten gearbeitet wird. Um die oben erwähnten Situationen optimieren zu können, brauchen wir die Aus- und Weiterbildungsinstitutionen, die Politik, Vertreterinnen und Vertreter von Verbänden und vor allem motivierte, kreative und vielseitig interessierte Lehrpersonen und Schulleitungen. Und wir brauchen nicht zuletzt Netzwerke, die Diskussionen lancieren und Unterrichtsentwicklungen gemeinsam angehen.

Man soll nicht von einem zum anderen Thema hüpfen, sondern sich gezielt und längerfristig mit einer Sache vertieft auseinandersetzen, bewusst reflektieren und schauen, was der Lernzuwachs ist. Auch die Website Lernen sichtbar machen bietet Anregungen, mit denen gezielt gearbeitet werden kann. Im Glossar sind zum Beispiel viele Begriffe umschrieben, die sich dafür eignen, den Unterricht und das eigene Verhalten zu reflektieren. Nutzen wir die bereits zusammengefassten Erkenntnisse.

Quellen
Hattie, John A. C. (2014): Lernen sichtbar machen für Lehrpersonen. Überarbeitete deutschsprachige Ausgabe von «Visible learning for teachers», besorgt von Wolfgang Beywl und Klaus Zierer. Baltmannsweiler: Schneider Verlag Hohengehren.

Netzwerk Luzerner Schulen

Das «Netzwerk Luzerner Schulen» ist ein freiwilliger Verbund von Schulen, welche ihre Tätigkeiten gemeinsam reflektieren, planen und zielorientiert weiterentwickeln.

Die Netzwerkschulen haben mit der Koordinationsstelle eine Vereinbarung. Mit der Vereinbarung beauftragen sie eine Person (Netzwerkbeauftragte), welche die Zusammenarbeit und die Organisation mit der Koordinationsstelle vor Ort sicherstellt.

Die Netzwerkschulen bestimmen Aktivitäten und Entwicklungen des Netzwerks mit. Im Netzwerk wird bedürfnisorientiert mit der Basis gearbeitet.

www.volksschulbildung.lu.ch


Monika PfisterMonika Pfister
Leiterin Netzwerk Luzerner Schulen, Schweiz
monika.pfister(a)lu.ch

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