Newsletter 23 / 19

Newsletter Nr. 23, März 2019                     Anzahl der Abonnements: 4753

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Forschungsergebnisse zu Lehren und Lernen sollen in die Klassenzimmer gelangen. Dies ist ein zentrales Anliegen von «Lernen sichtbar machen». In diesem Newsletter finden Sie aktuelle Beispiele für diesen gewünschten Transfer.
Das Wiki zu den Faktoren, welche die Lernergebnisse beeinflussen, wurde erweitert, aktualisiert und ergänzt. Täglich werden ca. 200 Seiten aufgerufen. Schauen Sie sich die Neuerungen direkt im Wiki an.
Ein weiteres Ziel besteht darin, Erfahrungswissen aus der Praxis systematisch aufzubereiten und im Dialog mit der Forschung zu überprüfen. Hier sticht das Projekt IMST (Innovationen Machen Schulen Top!) aus Österreich heraus. Im Kurzbericht von Konrad Krainer erfahren Sie, wie ein Wiki Beispiele guter Praxis aus dem Unterricht zugänglich macht.
Über «umgedrehte Klassenzimmer» im französischsprachigen Raum berichtet Florence Buchmann. Praktische Hinweise zum Unterrichtsfeedback gibt es im von Manuela Schuler übersetzten Artikel über die Verwendung von farbigen Ampelbechern.
Einen kritischen Austausch zwischen Forschung und Praxis zeigt der E-Mail-Wechsel zwischen Michael Felten und Wolfgang Beywl.

Gerne dürfen Sie den Newsletter auch weiterleiten.

Wir wünschen Ihnen einen schönen Frühlingsanfang sowie spannende Lektüre in diesem Newsletter und auf www.lernensichtbarmachen.net.

Wolfgang Beywl                                               Janine Strasser
Projektleiter                                                     Redaktion


Update des „Lernen sichtbar machen“-Wikis auf über 250 Faktoren

Ein Bericht von Ricarda Scholz, Hilfsassistentin am Zentrum Lernen und Sozialisation, Wolfgang Beywl, Co-Leiter des Projekts Lehren und Lernen sichtbar machen, beide Pädagogische Hochschule FHNW

Das auf den Studien von Hattie basierende „Lernen sichtbar machen“-Wiki wurde aktualisiert und auf den neuesten Stand gebracht. Etwa 100 neue Faktoren wurden hinzugefügt. Zahlreiche Effektstärken vorhandener Faktoren wurden wegen neu dazu gekommener Metaanalysen angepasst, einige Faktoren umbenannt, und die Domäne «Schule» wurde in zwei, die Domäne «Unterrichten» in drei Domänen ausdifferenziert. Lesen Sie hier weiter.


IMST – Ein Unterstützungssystem für Schulen in Österreich

Ein Beitrag von Konrad Krainer, Projektleiter IMST (Innovationen Machen Schulen Top!)

Als Reaktion auf das schlechte Abschneiden Österreichs bei den Sekundarstufe II-Testleistungen bei TIMSS 1995 hat das für Bildung zuständige Ministerium das Analyseprojekt IMST – Innovations in Mathematics and Science Teaching (1998-1999) – in Auftrag gegeben. Daraus entstand die noch immer laufende und inzwischen IMST – Innovationen Machen Schulen Top – genannte Initiative. Das Unterstützungssystem IMST hat sich – zunächst beschränkt auf den Mathematik- und Naturwissenschaftsunterricht der Sekundarstufe II – sukzessive auf alle Schulstufen plus den vorschulischen Bereich sowie auf weitere Fächer ausgedehnt. Der Beitrag skizziert die Genese von IMST sowie dessen Beiträge zur Weiterentwicklung von Praxis, Forschung und Bildungssystemsteuerung.


«Technologien im Dienste des Pädagogischen» am Beispiel des umgedrehten Klassenzimmers – Luuise könnte auch hier helfen

Ein Bericht von Florence Buchmann, Eeve/Luuise-Coach PH FHNW

Die meiste Literatur zum Lehren und Lernen sichtbar machen – Visible Learning – ist englischsprachig. Das internationale Kolloquium von AUPTIC.education* vom 21. bis 23. November 2018 in Biel über «Die Technologien im Dienste des Pädagogischen» zeigt, dass es auch im frankophonen Bereich ähnliche Entwicklungen gibt.


Ein Kurzbeitrag mit Rückmeldung von Wolfgang Beywl, Leiter der Professur für Bildungsmanagement sowie Schul- und Personalentwicklung, PH FHNW

Michael Felten, forschungsaffiner Unterrichtspraktiker und Lehrerweiterbildner aus Köln, hat kürzlich im Deutschlandfunk anlässlich „10 Jahre Hattie-Studie“ eine zugespitzte  «Kritik an der Schulpädagogik» geäussert. Er wies uns als Redaktion des Newsletters darauf hin, dass folgende Passage zu Hatties 250+Liste aus dem Newsletter 20 von Oktober 2017 missverständlich sei, insofern der Einfluss der Lehrpersonen damit unterschätzt werden könnte: „… dass der Anteil des kurz- und mittelfristig durch die Lehrenden Bewegbaren durchschnittlich (lediglich oder immerhin) bei ca. 30% liegt …“).

Nachfolgend ein Versuch, es weniger missverständlich auszudrücken:

Von den ca. 250 Faktoren sind einige gar nicht beeinflussbar (z. B. sehr niedriges Geburtsgewicht oder Taubheit  der Lernenden); andere kaum (z. B. sozioökonomischer Status des Elternhauses), wieder anderen nur über mehrere Jahre oder gar Jahrzehnte (z. B. viele der Faktoren unter «Schule»). Diejenigen Faktoren, die schnell, noch während der Schulzeit eines Kindes zugunsten grösserer Lernfortschritte verändert werden können, machen immerhin – grob geschätzt – einen Anteil an ca. 60% plus x an der Varianz des Lernfortschritts aus. Und davon liegt etwa die Hälfte in der Hand der Lehrpersonen: an ihrer Haltung zum eigenen und zum Lernen der Schülerinnen und Schüler, bei ihrem Berufsverständnis und ihren Kompetenzen, Unterricht effektiv und effizient zu gestalten usw. Man findet diese vielversprechenden Möglichkeiten in den Merkmalen der Lehrperson und besonders in den drei Unterrichts-Domänen «Lernstrategien», «Lehrstrategien» und «Umsetzungsmethoden». Unter den über 100 dieser «Unterrichtsfaktoren» gibt es ca. 40 mit einer Effektstärke von d= 0.5 oder höher. Je stärker es den Lehrkräften gelingt, solche Faktoren in ihrem Unterricht zu mobilisieren, desto eher werden auch die Lernenden ihre Selbstwirksamkeitsüberzeugung steigern, wird ihre Einstellung zum Fach positiver, und sie werden eine hohe Motivation und Tiefenverständnis entwickeln können.


Tagungshinweise

  • EMSE-Tagung «Forschung und Praxis auf Augenhöhe» in Solothurn

28. Tagung des EMSE-Netzwerks am 4. und 5. April 2019 zum Thema «Forschung und Praxis auf Augenhöhe – Wie evidenzbasierte Schul- und Unterrichtsentwicklung möglich wird». Sie können sich hier zur Tagung anmelden.

  • Tagung «Partizipation – Schule – Entwicklung»

Am 9. und 10. Mai 2019 findet an der Pädagogischen Hochschule Zürich, organisiert vom Zentrum für Schulentwicklung, die Tagung «Partizipation – Schule – Entwicklung» statt. Informationen zur Anmeldung finden Sie hier.


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