Newsletter Nr. 05 / 14

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Inhalt dieses Newsletters ist ein kurzer Beitrag zum kürzlich erschienen Buch “Lernen sichtbar machen für Lehrpersonen“, die Übersetzung von John Hatties “Visible Learning for Teachers” sowie ein Überblick über “Die Hattie-Studie in der Diskussion. Probleme sichtbar machen.”, das neu erschienene Buch von Ewald Terhart (Hrsg.). Des Weiteren finden Sie eine Kurzfassung des Praxisberichtes “Feedbackverfahren”, ein Erfahrungsbericht von Guido Wiegand. Wir heissen die Mitglieder der neu gegründeten erweiterten Redaktion von Lernen sichtbar machen herzlich willkommen und danken ihnen für die ersten, schon fertiggestellten, Beiträge.

Wir wünschen Ihnen Vergnügen bei der Lektüre des vorliegenden Newsletters.

Neu auf www.lernensichtbarmachen.net

Tabelle zur Berechnung von Effektstärken in Schulklassen
Unter „Ergänzungen“ finden Sie neu eine Excel-Tabelle basierend auf der von Hattie bereitgestellten Tabelle in Lernen sichtbar machen für Lehrpersonen (2014, Anhang E), inkl. einem Kurzleitfaden zur Nutzung der Tabelle.

Praxisbericht „Feedbackverfahren“
In der Rubrik „Praxisberichte“ können Sie einen Erfahrungsbericht von der Johannes-Kessels-Akademie e.V., Katholisches Berufskolleg Gladbeck lesen (siehe auch Kurzfassung unten). Hier wurde ein für die Lehrerkonferenz entwickeltes Feedbackverfahren auf Klassendiskussionen übertragen. Verfasser ist Guido Wiegand, Lehrer an diesem Berufskolleg und Mitglied der erweiterten Redaktion von Lernen sichtbar machen.

Präsentation Selbst- und Partnerevaluation
In der Rubrik “Ergänzungen” ist eine Präsentation zu Selbst- und Partnerevaluation unter Schülern zum Download verfügbar. Sie stammt von Dr. Monika Wilkening, Mitglied der erweiterten Redaktion von Lernen sichtbar machen.

Aufsätze zu Feedback und Selbsteinschätzung
Im Wiki finden Sie eine von Dr. Monika Wilkening verfasste Zusammenstellung von Aufsätzen zu Feedback
(hier) und Selbsteinschätzung (hier).

Lernen sichtbar machen für Lehrpersonen

In seinem zweiten Buch zum sichtbaren Lernen schildert John Hattie, wie die gewonnen Erkenntnisse aus seiner Forschung in Schule und Unterricht systematisch und reflektiert genutzt werden können. Es werden Geisteshaltungen – Kompetenzen der Lehrpersonen, Persönlichkeit und Beziehungsfähigkeit – thematisiert sowie Hinweise für die Unterrichtpraxis – von der Planung bis zum Abschluss einer Unterrichtsstunde – gegeben. Stets werden auf die Lernprozesse der Lernenden fokussiert. Hattie betont das Potenzial der Datennutzung, resultierend aus Leistungstests, systematischen Beobachtungen oder aus der unterrichtsintegrierten Selbstevaluation (vgl. Beywl, Bestvater & Friedrich, 2011, Selbstevaluation in der Lehre). Das Buch gibt zahlreiche Anregungen, um wirkmächtiges Lehren zu stärken. Zentrale Gelingensbedingungen sind die Zusammenarbeit zwischen Lehrpersonen sowie eine unterrichtsbezogene Schulleitung. Texte, Checklisten und Übungen unterstützen dialogische Auseinandersetzungen im Unterrichtsteam oder in Ausbildungsgruppen. Es wird gezeigt, wie ein authentischer Dialog mit den Lernenden über deren Lernprozesse und den durch die Lehrpersonen verantworteten Unterricht geführt werden kann (vgl. Beywl & Zierer, 2014, Lernen sichtbar machen für Lehrpersonen: Zur deutschsprachigen Ausgabe von „Visible Learning for Teachers“).

Die Hattie-Studie in der Diskussion. Probleme sichtbar machen.

Ewald Terhart (Hrsg.) Die Hattie-Studie in der Diskussion. Probleme sichtbar machen. Seelze: Kallmeyer 2014, 164 S.

Auf die kurze Einleitung des Herausgebers folgen zwei schon klassisch zu nennende deutschsprachige Hattie-Rezeptionen, die einen Überblick zu „Visible Learning“ geben: die dezidiert kritische von Ewald Terhart („verfeinerte Machttechnik“) und die zustimmende Olaf Köllers. Während diese beiden die englischsprachige Ausgabe von 2009 nutzen, ziehen die folgenden neun Beiträge auch die deutschsprachige Fassung von 2013 heran. Hans Brügelmann verweist sehr nachdrücklich darauf, dass die Ergebnisse Hatties ohne Kontextualisierung und Situierung durch forschende Lehrpersonen fehl gehen. Hans-Joachim Ohlberg fordert einen „Doppelblick“ der Lehrpersonen: auf wissenschaftlich Belegtes und eigenes professionelles Erfahrungswissen. Hans-Günther Rolff kritisiert die geringe Aufmerksamkeit insbesondere der Hattie-Rezeption für Strukturfaktoren sowohl der Bildungssysteme wie der Schulen als Organisationen, die in den selektiven Schulsystemen der D-A-CH-Länder für die Chancengleichheit eine grosse Rolle spielten, mehr als für Schülerleistungen. Der Beitrag von Thomas Kremers vertieft und aktualisiert Hatties Aussagen zu den wirkmächtigen kooperativen Lernformen. Auch Kristina Reiss und Matthias Bernhard schliessen eine Lücke, indem sie (am Beispiel der Mathematik) Erklärungen für den frappanten Unterschied zwischen dem starken Faktor Problemlösen (als Lehr-/Lernform) und dem schwachen Faktor Problembasiertes Lernen (als Startpunkt für einen Lernprozess) liefern. Marko Demantowsky und Monika Waldis spüren aus geschichtsdidaktischer Perspektive Belege für die Relevanz von Fachwissen und -didaktik in Hatties Befunden auf. Hilbert Meyer findet viele Hinweise bei Hattie, die manches reformpädagogische Prinzip stützen und unterstreicht: Die Lehrperson soll sich als forschende Lernende verstehen. Hans Anand Pant hebt hervor, dass bei manchen methodisch-statistischen Schwächen Hatties das explorativ-qualitative Potential der Meta-(Meta-)-Analyse beachtlich ist und liefert ein Stück „technischen Bericht“ nach, der in Hatties Werken fehlt. Den Schluss bildet ein Beitrag der beiden Übersetzer der Hattie-Studie (Wolfgang Beywl/Klaus Zierer).

Praxisbericht – Feedbackverfahren aus der Lehrerkonferenz breitet sich auf Klassen aus

Das Katholische Berufskolleg Gladbeck ist eine Schule der Sekundarstufe II im Berufsfeld Sozial- & Gesundheitswesen. Leitidee der Schule ist: „Der Mensch als Ganzes steht im Mittelpunkt“. Die begrenzte Zeit in Lehrerkonferenzen (und auch im Unterricht) soll effizient genutzt werden. Um dies zu erreichen, wurde ein Feedbackverfahren mit roten und gelben Karten zuerst in Lehrerkonferenzen, später bei Diskussionsrunden im Unterricht eingeführt. Karten signalisieren der sprechenden Lehrperson und später dem Schüler oder der Schülerin, die Redebeiträge schnell (bei gelber Karte) oder sofort (bei roter Karte) zu beenden. Welche Auswirkungen dieses Kartensystem hat und welche Schwerpunkte in Bezug auf die Feedbackkultur diskutiert werden, lesen Sie hier den vollständigen Erfahrungsbericht von Guido Wiegand.

Lohnt sich anzuschauen

Glossar zum Buch “Lernen sichtbar machen
Abduktion, Big Five, Cross-modales Kurzzeitgedächtnis, Detracking, Essential schools… Sind Sie über einen dieser oder einen der anderen 141 Fachbegriffe in Lernen sichtbar machen gestolpert? Das komplette Glossar der im Buch genutzten Fachbegriffe finden Sie nun weitgehend fertiggestellt
hier. Haben Sie Ergänzungen oder Fragen zu einem der Begriffe? Schreiben Sie dies unter der jeweilige Registerkarte „Diskussion“ -> „Bearbeiten im Wiki“ (unbedingt am Schluss auf „Seite speichern“ klicken). Fehlt Ihnen ein Begriff im Glossar? Schreiben Sie uns eine E-Mail.

Fachveranstaltung „Empowerment im Lehrberuf“
Luuise ist eine Partnerin zum Empowerment im Lehrberuf, das zur Professionalisierung der Lehrperson und zum organisationalen Lernen der Schule beiträgt. Rund 100 Lehrpersonen haben Luuise-Projekte durchgeführt und haben dadurch Ihren Unterricht so konzipiert, dass sie empirische Belege zu ihrer Wirksamkeit auf das Lernen der Schülerinnen und Schüler erhalten. An der Fachveranstaltung berichten Lehrpersonen und Schulleitungen über unterrichtsintegrierte Selbstevaluation. Schulen stellen vor, wie sie Selbstevaluation so in die Unterrichts- und Schulentwicklung einbauen, dass der Lehrerfolg nachhaltig unterstützt wird und die Lehrpersonen bei ihrer Qualitätsarbeit entlastet werden. An der Veranstaltung erhalten Sie Anregungen für die eigene Unterrichtsgestaltung sowie Anregungen für die Schulentwicklung: Sie erhalten einen Einblick, wie Sie Unterrichtsentwicklung mit Luuise systematisch fördern und mit individuell zugeschnittener Weiterbildung der Lehrpersonen verbinden können. Die Veranstaltung wird gerahmt durch ein Referat von Tina Hascher, Universität Bern, das den Empowerment-Ansatz für die Ausbildung und die Ausübung des Lehrberufes vorstellt.

Datum: Mittwoch, 14.05.2014

Uhrzeit: 14.00-18.00 Uhr

Ort: FHNW Campus, Brugg-Windisch (Schweiz)

Die Teilnahme ist kostenlos – die Teilnehmendenzahl ist begrenzt.

Ausblick

Im nächsten Newsletter gehen wir u.a. Missverständnissen rund um Lernen sichtbar machen nach und stellen das Evidence Based Teachers Network vor.

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