Newsletter Nr. 11 / 15

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In dieser Ausgabe stellen wir Ihnen die im Sommer 2015 erscheinende Übersetzung von „Visible Learning and the Science of How we Learn“ (Hattie & Yates, 2014) vor. Des Weiteren erklären wir, was der Faktor „Klarheit der Lehrperson“ umfasst und berichten über ein Interview zur „Lehrer-Schüler-Beziehung“. Zudem finden Sie eine Besprechung über das Buch „Lernwirksamer Unterricht (De Florio-Hansen, 2014) und einen Kurzbericht über die Internationale Konferenz der „World Association of Lesson Studies“ von Roland Knoblauch.

Wir wünschen Ihnen viele Entdeckungen auf www.lernensichtbarmachen.net sowie in diesem Newsletter.

Wolfgang Beywl          
Projektleiter


 

Neu auf www.lernensichtbarmachen.net


Lernen sichtbar machen aus psychologischer Perspektive (2015)

lernensichtbarmachen_psychologischeperspektiveNach Lernen sichtbar machen (2013, 2015) und Lernen sichtbar machen für Lehrpersonen (2014) folgt im Spätsommer 2015 Lernen sichtbar machen aus psychologischer Perspektive.

Das Buch Visible Learning and the Science of How We Learn von Hattie und Yates (2014) beleuchtet die Ergebnisse von Visible Learning (2009), wie es der deutsche Titel deutlich macht, aus einer psychologischen Perspektive. Es gliedert sich in drei Teile: Teil 1 „Lernen im Klassenraum“; Teil 2 „Grundlagen des Lernens“ und Teil 3 „Erkenne dich selbst“.

Die 31 Kapitel erläutern psychologische Modelle und Konzepte als Erweiterung und Untermauerung der Kernaussagen von Lernen sichtbar machen. Psychologische Fachbegriffe werden im Glossar definiert. Dies erleichtert es auch Nicht-Psychologen, die wissenschaftlichen Grundlagen zu verstehen. Andererseits werden vertiefte Forschungsergebnisse zu wichtigen Faktoren aus Lernen sichtbar machen ergänzt. Beispiele dafür sind die Lehrer-Schüler-Beziehung und das Feedback.

Jedes Kapitel beinhaltet Kontrollfragen und resümiert mit diesen die zentralen Aussagen.

Lernen sichtbar machen aus psychologischer Perspektive richtet sich in erster Linie an Lehrpersonen aller Schulstufen, darüber hinaus auch an Bildungsforschende und Verantwortliche der Bildungspolitik. Auch für Eltern gibt das Buch wichtige Hinweise.

Das Buch wird ab September 2015 im Handel erhältlich sein und kann beim Schneider Verlag Hohengehren GmbH vorbestellt werden.


Lernwirksamer Unterricht
– eine Buchbesprechung

Eine Kurzbesprechung von Helena Follmer (Projektmitglied von Lernen sichtbar machen) zum Buch Lernwirksamer Unterricht von Inez De Florio-Hansen (2014).

Hattie ganz konkret!
Die Gegenüberstellung des Frontalunterrichts und der offenen Unterrichtsformen hat ausgedient. Inez De Florio-Hansen räumt mit falschen Vorstellungen zur häufig zurückgewiesenen Unterrichtsmethode
Direkte Instruktion auf und versucht, die vorherrschende Spaltung zwischen Direkter Instruktion und offenen Unterrichtsmethoden zu überwinden.

Ausgehend von einem Beispiel aus dem Klassenzimmer veranschaulicht die Autorin Konzepte lernwirksamen Unterrichts. Eine erfahrene Lehrperson – die sich mit ihrem bisher schon gut funktionierenden Englischunterricht nicht zufrieden gibt – sucht nach Belegen für die Wirksamkeit bestimmter Unterrichtsstrategien. Mein Eindruck kurz zusammengefasst: Im Buch werden wissenschaftliche Belege für die Unterrichtspraxis verständlich formuliert, anhand von Transkripten aus dem Unterricht veranschaulicht und mit Empfehlungen angereichert – eine Brücke zwischen Wissenschaft und Praxis.

Lesen Sie hier die vollständige Besprechung von Helena Follmer zu „Lernwirksamer Unterricht“ (2014).


Unter der Lupe – Klarheit der Lehrperson

In Lernen sichtbar machen (2015) wird deutlich, dass die Klarheit der Lehrperson stark zur Lernleistung der Schülerinnen und Schüler beiträgt. Die ermittelte Effektstärke liegt bei d = 0,75. Des Weiteren ist bekannt, dass die Klarheit der Lehrperson auch einen Einfluss auf die durch die Lernenden wahrgenommene Gerechtigkeit der Lehrperson hat. Was genau beinhaltet Klarheit?

Hattie nutzte für diesen Faktor die Meta-Analyse von Frank Fendick (1990), der in seiner Dissertation 47 Primärstudien berücksichtigt. Klarheit bezieht sich dabei nicht nur auf Merkmale der Lehrperson, wobei die Klarheit der Sprache der Lehrperson eine Voraussetzung für die Klarheit der vier definierten Dimensionen des Faktors ist. Fendick unterscheidet zwischen Klarheit in der Organisation der Unterrichtseinheit, klaren Erläuterungen, Klarheit im Beispiel-Geben und Anleiten von Übungen sowie Klarheit bei der Einschätzung des Lernstandes der Lernenden.

Klarheit der Lehrperson

Abbildung 01: Klarheit der Lehrperson nach Fendick (1990)

Frank Fendick (1990) zeigt in seiner Arbeit auf, was unter einer klaren Sprache zu verstehen ist. So ist es wichtig, dass alle Lernende die Lehrperson gut hören können, und die Lehrperson die Unterrichtssprache grammatikalisch korrekt und ohne starken Akzent spricht. Des Weiteren zeigt sich eine klare Sprache im Verzicht auf vage Formulierungen und Begriffe sowie mehrdeutige Bezeichnungen, ungenaue Angaben oder Wahrscheinlichkeiten. Weitere Erläuterungen zu vagen Formulierungen finden Sie in der Überblicks-Datei zu den Dimensionen des Faktors Klarheit der Lehrperson.

Die Klarheit der Organisation einer Unterrichtseinheit kann durch andere Faktoren von Lernen sichtbar machen unterstützt werden. Es ist lohnenswert in diesem Zusammenhang Faktoren wie Advance Organizer und Ziele anzuschauen.

Bei klaren Erläuterungen ist die klare Sprache zentral. Aber auch der Faktor Mastery-Learning enthält Elemente, welche dabei unterstützen, klare Erläuterungen zu geben.

Klare Beispiele und begleitete Praxis zeichnen sich durch genügend Übungszeit und Wiederholungen bzw. Erläuterungen aus, bis alles Notwendige für den nächsten Schritt verstanden wurde. Auch Rückmeldungen zum Lernstand sind Teil der Klarheit. In diesem Zusammenhang bieten Aktive Lernzeit, Mastery-Learning und Feedback interessante Informationen.

Die Lehrperson hat Klarheit darüber, wo die Lernenden im Lernprozess stehen. Eine klare Einschätzung des Lernprozesses der Lernenden kann gemäss Fendick (1990) erfolgen, wenn die Lehrperson durch Fragenstellen, durch das Fördern von Diskussionen und das Auswerten von Hausaufgaben und Prüfungen erfährt, ob die Lernenden den Unterrichtsstoff verstanden haben.

Wie bei manchen anderen Faktoren zeigt sich auch bei diesem, dass es sich nicht um einen eng definierten Bereich handelt, sondern dass viele Aspekte eine Rolle spielen, die auch in anderen der 150 Faktoren Hatties angesprochen werden. Erfahrene Lehrpersonen gehen mit diesen zahlreichen Verknüpfungen auf mehreren Ebenen alltäglich um und wissen, dass ihnen wissenschaftliches Wissen keine Rezepte, wohl aber wertvolle Orientierungen geben kann.

Besuchen Sie im Wiki von Lernen sichtbar machen den Faktor Klarheit der Lehrperson. Sie finden dort auch Materialien für die Praxis, wie zum Beispiel einen Fragebogen zur Selbst- und Fremdeinschätzung der Sprachklarheit der Lehrperson.

Haben Sie Fragen oder Anregungen zu diesem Faktor? Nutzen Sie die Möglichkeit, diese auf der Diskussionsseite des Wiki-Beitrags festzuhalten oder nehmen Sie hier mit uns Kontakt auf.

Quellen

Hattie, John A. C. (2015): Lernen sichtbar machen. Überarbeitete deutschsprachige Ausgabe von „Visible learning“, besorgt von Wolfgang Beywl und Klaus Zierer (3. Aufl.). Baltmannsweiler: Schneider Verlag Hohengehren.

Fendick, Frank. (1990): The correlation between teacher clarity of communication and student achievement gain: A meta-analysis. Unpublished Ph.D., University of Florida, FL.


Praxisbericht – Lehrer-Schüler-Beziehung
Ein Interview mit Gian Bollinger

Gian Bollinger ist Lehrperson (3. Klasse) an der Primarschule Liestal (BL). In einem Kurzinterview mit der Redaktion Lernen sichtbar machen sprach er über seine Erfahrungen zur Gestaltung und Wirkung der Lehrer-Schüler-Beziehung. In seinen Antworten finden sich konkrete Beispiele von erfolgreichen Vorgehensweisen. Herr Bollinger gibt der Zeit und dem eigentlichen Interesse der Schülerin/des Schülers bei Massnahmen zur positiven Gestaltung der Lehrer-Schüler-Beziehung eine grosse Bedeutung.

Lesen Sie hier das vollständige Interview zur Lehrer-Schüler-Beziehung mit Gian Bollinger.


Lesson Study – Von der Unterrichtsentwicklung zum Steuerungsinstrument in der Curriculum-Entwicklung

Ein Bericht von Roland Knoblauch, Fachberater für Schulentwicklung und Fortbildner für Berufliche Schulen in Baden-Württemberg

Im vergangenen November fand im indonesischen Bandung die Konferenz der „World Association of Lesson Studies“ statt. Lesson Study ist eine Form kooperativer und evidenzbasierter Unterrichtsreflexion und eine ideale Form, das Lernen durch die Augen der Schülerinnen und Schüler zu sehen (vgl. Praxisbericht Lesson Study). Die Konferenz brachte Forschende, Schulleitende und Lehrpersonen aus verschiedenen Ländern zusammen, um Erfahrungen aus der Praxis auszutauschen. Roland Knoblauch hat die Konferenz besucht und informiert uns in seinem Bericht über aktuelle Entwicklungen.

An der Konferenz wurde deutlich, dass Lesson Study von der Bildungspolitik als wirksame Form der Lehrerbildung anerkannt wird und stärker zur Implementierung von Bildungsplänen genutzt werden sollte. Indonesien setzt beispielsweise seine Bildungsplanreform mittels Lesson Studies um und Japan hat seinen Bildungsplan von 2008 ebenfalls landesweit mit Lesson Study eingeführt. Dies drückt sich in einer Änderung der Zielorientierung von Lesson Study aus: Ergänzend zum Fokus auf das Schülerlernen ist eine pädagogische und bildungspolitische Ausrichtung erkennbar.

Lesen Sie im vollständigen Bericht mehr über die Rolle von Expertinnen und Experten sowie von verschiedenen Formen der Unterrichtsreflexion, und welchen Einfluss Lesson Study auf das Bildungssystem haben könnte.


Lohnt sich anzuschauen

Was die Schule von Hattie lernen kann
Die Pädagogische Kommission des Aargauer Lehrerinnen- und Lehrerverbandes (alv) empfiehlt eine intensive und umfassende Nutzung der Hattie-Studie für Bereiche wie Unterrichtsentwicklung, Schulleiterauswahl, Bildungsreformen und Lehrpersonenweiterbildung. Der volle Wortlaut ist im
Schulblatt Aargau und Solothurn 7/2105, S. 8–10 veröffentlicht.

Zum Artikel „Was die Schule von Hattie lernen kann“

Wie kann effektives Unterrichten identifiziert und gefördert werden?
Das MET-Projekt (Measures of Effective Teaching) war ein US-amerikanisches Forschungsprojekt, gefördert von der Bill & Melinda Gates Foundation, an dem 3 000 Lehrpersonen und dutzende Forschungsteams beteiligt waren. Ziel war die Entwicklung und Evaluierung von Methoden, die es erlauben, effektives Unterrichten zu identifizieren und zu fördern. Dadurch sollen Lehrpersonen Werkzeuge erhalten, die ihnen zu neuen Einsichten bezüglich ihrer eigenen Unterrichtspraxis verhelfen, welche wiederum als Ausgangsbasis dienen, den eigenen Unterricht effizienter zu gestalten.

Measures of Effective Teaching Project

Passend hierzu verweisen wir auf ein zehnminütiges Video, in dem Bill Gates das von seiner Stiftung unterstützte Forschungsprojekt MET vorstellt und dabei die Rolle des Feedbacks an die Lehrperson hervorhebt (mit einem eingebetteten Video zum selbstgesteuertem Video-Feedback einer Lehrerin).

 


 

Ausblick

Im nächsten Newsletter werden Beispiele zu Lernen sichtbar machen aus der Praxis vorgestellt.


 

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