Newsletter Nr. 10 / 15

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In dieser Ausgabe stellen wir die neue Auflage des Buchs Lernen sichtbar machen (2015) vor und blicken auf unsere Jahresziele 2014 zurück. Der Newsletter enthält eine Besprechung von Brigitte Götz zum kürzlich erschienen Buch von Klaus Zierer „Hattie für gestresste Lehrer“ (2014) sowie einen Kurzartikel zum Faktor Lehrer-Schüler-Beziehung.

Wir wünschen Ihnen viele Entdeckungen auf www.lernensichtbarmachen.net sowie in diesem Newsletter.

Wolfgang Beywl                                                  
Projektleiter


 

Neu auf www.lernensichtbarmachen.net

  • Aktuelle Korrigenda Lernen sichtbar machen
  • Aktuelle Korrigenda Lernen sichtbar machen für Lehrpersonen

 

Neue Auflage von Lernen sichtbar machen (2015)                       

hattie_2_auflageIn den Nachdrucken der deutschsprachigen Ausgabe sind seit der Erstauflage im April 2013 immer wieder Korrekturen vorgenommen worden, teils auf Anregung von kritischen Leserinnen und Lesern.

Die dritte Auflage vom Januar 2015 enthält folgende Erweiterungen und Korrekturen:

Einen Sach- und einen Autorenindex, einen alphabetisch geordneten Faktorenindex im ausklappbaren Umschlag sowie ein 16-seitiges Glossar mit Fachbegriffen.

Aus dem Vorwort von Wolfgang Beywl & Klaus Zierer, 2015, zur 3. Auflage:

„Korrigiert gegenüber der Originalausgabe sind vereinzelte Berechnungsergebnisse (z. B. Mittelwerte, Standardfehler und CLE-Werte in den Überblickstabellen), was sich aber auf die Kernaussagen von John Hattie nicht auswirkt. Schliesslich haben wir im Vergleich zur ersten Auflage einige Nachbesserungen bei Übersetzungen von Fachbegriffen vorgenommen (z. B. Umbenennung des Faktors „Lehrstrategien“ zu „Lehren von Strategien“, „Internatsunterbringung“ zu „Wohnheimunterbringung“ und „Angstreduktion“ zu „Angstarmut“).“


 

Hattie für gestresste Lehrer – eine Buchbesprechung

Eine Besprechung von Brigitte Götz, Primar- und Montessori-Lehrerin in Basel sowie Mitglied im Redaktionsteam Lernen sichtbar machen.

Das Geschenk des Kultusministers

Was ist das für ein Buch, das ein deutscher Kultusminister, Mathias Brodkorb aus Mecklenburg-Vorpommern, in Auftrag gab und das er jeder Lehrperson in seinem Bundesland schenkt?

Was kann ich als Lehrperson erwarten und hoffen, wenn ich den Titel „Hattie für gestresste Lehrer“ lese? Bekomme ich Hilfestellung bei der Bewältigung des stressigen Schulalltags oder was ist damit gemeint?

Bei näherem Hinschauen lese ich, dass das Buch Kernbotschaften und Handlungsanweisungen der Forschungsergebnisse John Hatties enthält. Also eine Kurzfassung der beiden Bücher Lernen sichtbar machen (3. Aufl., 2015) und Lernen sichtbar machen für Lehrpersonen (2014), die in den letzten Jahren für Aufsehen und Diskussionen gesorgt haben. Mein Eindruck kurz zusammengefasst: Das 131-seitige Buch ist eine schnell erfassbare Gebrauchsanweisung für Hatties Studien.

Lesen Sie hier die vollständige Besprechung zu „Hattie für gestresste Lehrer“ (2014) von Brigitte Götz


 

Unter der Lupe – Lehrer-Schüler-Beziehung

Hattie bestätigt, dass eine gute Lehrer-Schüler-Beziehung einen starken positiven Effekt auf die Lernleistungen der Schülerinnen und Schüler hat. Seine Synthese weist diesem Faktor eine Effektstärke von = 0,72 zu (Hattie 2015, 3. Aufl., S. 141). Was genau macht eine gute, lernförderliche Lehrer-Schüler-Beziehung aus? Um dies zu klären, nehmen wir den Faktor genauer unter die Lupe.

In Lernen sichtbar machen (2015) wird auf die verwendete Meta-Analyse von Jeffrey Cornelius-White (2007) hingewiesen. Sie umfasst 119 Primärstudien im Zeitraum von 1948 bis 2004. Cornelius-White beschreibt die Lehrer-Schüler-Beziehung insbesondere mit Hilfe von zwei Modellen– dem personenzentrierten und lernendenzentrierten. Die beiden Modelle unterscheiden sich hauptsächlich in ihrer Spezifizierung. Das personen-zentrierte Modell umfasst Haltungen, welche zwischenmenschliche Beziehungen allgemein beeinflussen; das lernenden-zentrierte Modell spezifiziert dies auf den Kontext von Schule und Unterricht (vgl. Abbildung 1).

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Abbildung 1: Variablen der Lehrer-Schüler-Beziehung nach Cornelius-White (2007)

Cornelius-White (2007) gibt keine Definitionen der Variablen, teilweise sind sie nicht eindeutig den zwei Modellen zuzuordnen. Er bezieht sich auf Quellen von Carl Rogers und Barbara McCombs.

Lehrer-Schüler-Beziehung meint nicht nur die (positiven) Affekte zwischen den beiden, sondern spricht auch die hierfür förderlichen Haltungen sowie Handlungen der Lehrpersonen an. Die Beziehung wird nicht als gegeben oder sich unwillkürlich einstellend aufgefasst, sondern als bewusst gestaltbar.

Es lohnt sich daher für die Lehrperson, sich mit Themen wie Gesprächsführung und Pflege des Klassenklimas auseinanderzusetzen. In Lernen sichtbar machen (2015, S. 123) weist Hattie darauf hin, dass sich der Gruppenzusammenhalt positiv auf die Beziehung zwischen Lehrperson und Lernenden auswirkt. Im Wiki haben wir für Sie zum Faktor Klassenzusammenhalt und zur Gesprächsführung (siehe Faktor Lehrer-Schüler-Beziehung) entsprechende Materialien und Literaturhinweise hinzugefügt.

Haben Sie Fragen oder Anregungen zu diesem Faktor? Nutzen Sie die Möglichkeit, diese auf der Diskussionsseite des Wiki-Beitrags festzuhalten oder nehmen Sie hier mit uns Kontakt auf.

Quellen

Cornelius-White, Jeffrey (2007): Learner-centered teacher-student relationships are effective: A meta-analysis. Review of Educational Research, 77(1), 113–143.

Hattie, John A. C. (2015): Lernen sichtbar machen. Überarbeitete deutschsprachige Ausgabe von „Visible learning“, besorgt von Wolfgang Beywl und Klaus Zierer (3. Aufl.). Baltmannsweiler: Schneider Verlag Hohengehren.

McCombs, B. L. (2004): The learner-centered psychological principles: A framework for balancing a focus on academic achievement with a focus on social and emotional learning needs. In J. E. Zins, R. P. Weissberg, M. C. Wang, & H. J. Walberg (Eds.), Building academic success on social and emotional learning: What does the research say? (pp. 23–39). New York: Teachers College Press.

Rogers, Carl R. (1951): Client-centered therapy. London: Constable.


 

Rückblick auf unsere Jahresziele von 2014

Anfang 2014 haben wir im Newsletter fünf Jahresziele für das Projekt Lernen sichtbar machen genannt (siehe Newsletter 04, Januar 2014).

Wir freuen uns, dass wir die gesetzten Ziele erreichen konnten: Im Februar 2014 erschien Lernen sichtbar machen für Lehrpersonen, die Übersetzung von Visible Learning for Teachers (2012), welches sich bis anhin mehr als zehntausendmal verkauft hat.

Im vergangenen Jahr konnten wir einige Faktoren-Beiträge weiterentwickeln. Doch es gibt noch viel zu tun. Anregungen und Erfahrungsberichte aus der Praxis sollen die Beiträge ergänzen. Wir laden Sie dazu ein, sich an den Diskussionen zu den Faktoren zu beteiligen. Lesen Sie dazu auch unseren Kurzleitfaden Diskussionsbeteiligung im Wiki“.

Viele der Faktoren, das Glossar und der Newsletter sind mit einer Bewertungsfunktion versehen. Verständlichkeit und Nutzen sind zwei Aspekte, zu denen uns Ihre Meinung sehr wichtig ist. Dank Ihres Feedbacks kann das Redaktionsteam die Beiträge verbessern.

Für die Weiterbildung und Ausbildung haben wir Konzepte und Materialien entwickelt, mehrfach angewandt und angepasst, beispielsweise den „Baukasten Lernerfolg“ zur Einführung und Auseinandersetzung mit der Studie Lernen sichtbar machen. Wir haben ihn sowohl in der Lehrpersonenweiterbildung wie auch in der -ausbildung erfolgreich eingesetzt. In einem künftigen Newsletter werden wir ihn detailliert vor- und zur Verfügung stellen.

Ein arbeitsintensives und herausforderndes Ziel war die Überarbeitung der Website von Lernen sichtbar machen. Seit Mitte Jahr ist diese online. Die zahlreichen Rückmeldungen sind durchgehend positiv. Über diese Resonanz freuen wir uns sehr.

Für das Jahr 2015 legen wir unseren Fokus auf die Umsetzungen und Wirkungen von Lernen sichtbar machen im Unterricht.

Haben Sie Anregungen zur Weiterentwicklung der Website? Sehr gerne können Sie mit uns via Formular Kontakt aufnehmen.


 

Lohnt sich anzuschauen

Learning Forward Conference Dezember 2014 – Vortrag von John Hattie zu Visible Learning

Sehen Sie den Vortrag von John Hattie vom 9. Dezember 2014 an der jährlichen „Learning Forward Conference“.


 

Ausblick

Im nächsten Newsletter berichten wir u. a. über die Übersetzung des Buches „Visible Learning and the Science of How We Learn“ von John Hattie und Gregory Yates.


 

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