Ist mit der Rangliste der 150 Faktoren die Empfehlung verbunden, ausschliesslich oder mit Vorrang die stärksten in der Praxis einzusetzen?

Eine Rangliste legt dies nahe. Jedoch warnt Hattie (2013) ausdrücklich davor, rezeptartig vorzugehen. Er rät dazu, statt ausschließlich die Größe eines Effekts zu betrachten, nach Mustern im Zusammenwirken verschiedenen Faktoren und nach den Wirkmechanismen über unterschiedliche Effektstärken hinweg Ausschau zu halten (S.11). Hattie (2013) nennt z. B. folgendes Beispiel:

– Man betrachte (…) einerseits den Einfluss von Verhaltenszielen, die einen kleinen Effekt von d = 0,20 haben (vgl. Kapitel 9) und andererseits die Effekte von reziprokem Lehren mit einem großen Effekt von d = 0,74. Es kann jedoch sein, dass der Aufwand für die Einführung von Verhaltenszielen so gering ist, dass es sich lohnt, sie einzusetzen, um einen Einfluss auf die Lernleistung zu erzielen, auch wenn dieser lediglich gering ist. Demgegenüber kann es sehr aufwändig sein, reziprokes Lehren einzuführen, um einen größeren Effekt zu erzielen (S.11).
Hattie, John A. C. (2013): Lernen sichtbar machen. Überarbeitete deutschsprachige Ausgabe von “Visible learning”, besorgt von Wolfgang Beywl und Klaus Zierer. Baltmannsweiler: Schneider Verlag Hohengehren.

Bezeichnen die 150 Faktoren sämtlich kausal auf die Lernleistungen wirkende Interventionsansätze?

Nein, dies ist nicht der Fall; in der Rezeption wird oft übersehen, dass lediglich ein Teil kausale Faktoren sind und davon wiederum lediglich ein Teil durch das Handeln z. B. von Lehrpersonen oder Schulleitungen beeinflussbar sind („Interventionen“). Es handelt sich bei mehr als 2/3 der Faktoren um kausale Interventionen, davon wiederum ein Teil, der nicht direkt auf die Lernleistungen der Lernenden einwirkt sondern z. B. auf die Kompetenzen von Lehrpersonen (z. B. der Faktor „Weiterbildung“).