Kompetenzpass und Lerncoaching: Unterrichtskonzepte, die Lernen sichtbar machenNoch keine Bewertungen vorhanden.

Mark Plüss, Primarlehrperson, bis 2016 Schulleiter der Primarschule Aussenwachten Hinwil (ZH) und Geschäftsleiter des Vereins QuiSS

Die Mehrklassenschulen[1] in Aussenwachten Hinwil haben zusammen mit der privaten Gesamtschule Unterstrass in Zürich einen Kompetenzpass erarbeitet. Als nächsten Schritt planen sie die Einführung von Lerncoachings für Schülerinnen und Schüler.

«Die Schule Aussenwachten versteht sich als lernende Organisation. Sie überträgt wissenschaftlich gewonnene Erkenntnisse in die Schulpraxis.» So steht es im Leitbild. Was das konkret heisst, zeigt die Entwicklung des Kompetenzpasses: Ausgehend von einer Idee der Gesamtschule Unterstrass (GSU) erarbeiteten die beiden Schulen eine erste Version des Passes. Schulleiter und Dozent Dieter Rüttimann am Institut Unterstrass (Partner der Pädagogischen Hochschule Zürich) steht hinter dem Konzept und stiess Impulse zu Lernen sichtbar machen an. In einem Netzwerk von ungefähr zwölf weiteren Schulen wurde der Kompetenzpass daraufhin weiterentwickelt.

Kompetenzpass

Der erweiterte Kompetenzpass liegt nun für alle Stufen bis zur 6. Klasse der Primarschule vor. Er zeigt auf, welche Kompetenzen Schülerinnen und Schüler in der Schule erwerben, insbesondere im überfachlichen Bereich. Kompetenzen in Unterrichtsbereichen, die nicht bereits durch andere Instrumente wie das Europäische Sprachenportfolio oder Kompetenzbeschreibungen im Sport abgedeckt sind, werden in diesem Kompetenzpass dokumentiert. Die Lernenden sind in Form von Selbsteinschätzung, in Anlehnung an den starken Faktor Selbsteinschätzung des eigenen Leistungsniveaus (d = 1,44), an der Visualisierung des eigenen Lernprozesses beteiligt. Viele Lernende interessieren sich nun vermehrt dafür, was in der Schule gelernt wird und werden auf diesem Weg an der Gestaltung des Lernprozesses beteiligt.[2]

Wie wird der Kompetenzaufbau im Unterricht sichtbar? Diese Frage stellt die Schule ihren Gastschulen im Peer-Review-Projekt Zaungäste des Vereins QuiSS. Lehrpersonen aus anderen Schulen beobachten den Unterricht an der Schule und geben aufgrund ihrer fokussierten Beobachtungen Rückmeldungen zu den im Vorfeld vereinbarten Beobachtungsschwerpunkten:

Bereich Mögliche Indikatoren im Unterricht
Wissen aufbauen und vermehren
  • Ablauf Vorwissen-Lernphase-Rückblick
  • in einer sozialkooperativen Form etwas Neues lernen,beispielsweise einen Text besser verstehen
Können kultivieren,
Gelerntes umsetzen
Wollen:
Motivationsaufbau
  • Attraktive Problemstellung mit Bezug zur Lebenswelt der Lernende
  • Herausfordernde Aufgabe
  • anschliessend Reflexion:
    Was hast du überlegt? Wie habe ich es gemacht?

Lerncoaching

In den gemeinsamen Weiterbildungen mit dem Team der GSU setzte sich die Primarschule Aussenwachten Hinwil weiter mit den Ergebnissen von Lernen sichtbar machen auseinander. Der grösste Lerngewinn wurde in der Qualität der individuellen Unterstützung durch die Lehrperson erkannt.

Dieser Ansatz wurde zum Ausgangspunkt des jüngsten Konzepts: Einführung von Lerncoachings für die Lernenden. Coaching meint in diesem Zusammenhang die individuelle Begleitung des Lernprozesses der Schülerinnen und Schüler durch ihre Lehrperson, die sich (auch) als Lerncoach versteht. Dabei wird den Schülerinnen und Schülern Unterstützung in ihrer Selbsteinschätzung sowie bei der Formulierung von eigenen Zielen angeboten. Die Schule setzt hohe Erwartungen in diesen Ansatz. Gemäss, der Forschungsergebnisse von Lernen sichtbar machen kann die Lehrperson mit ihren positiven Haltungen für die einzelnen Lernenden viel bewirken.

So sieht es in der Praxis aus:

Während Phasen der individuellen oder kooperativen Arbeit führt die Klassenlehrperson Einzelgespräche mit Schülerinnen und Schülern. Diese sind zunächst durch Fragen vorstrukturiert.

  • Wie hast du deine letzten Ziele erreicht?
  • Was nimmst du dir als nächstes vor?
  • Was sind deine nächsten Schritte?
  • Was brauchst du?

Mit zunehmender Erfahrung verlagert sich der Beitrag des Coachs in aktives Zuhören und überlässt den Lernenden die Selbststeuerung. Genauso wie Lernende brauchen Lehrpersonen intensives Training, bis sie in der Rolle als Coach wirksam sind. Die Schule setzt sich zum Ziel, diese Form der Unterstützung bereits ab der Kindergartenstufe einzuführen, ganz nach dem Motto: Auch gecoacht zu werden lässt sich lernen!

[1] Damit sind hier altersdurchmischte Klassen gemeint.

[2] Im Video zum Kompetenzpass der Mehrklassenschulen Aussenwachten Hinwil erhalten Sie Einblick in das Projekt (Stand 2009). In der Zwischenzeit hat sich das Einsatzfeld des Kompetenzpasses wie dargestellt wesentlich erweitert.

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.


*